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An manchen Tagen in den Monaten Januar und Februar wird die
Landung auf dem Flughafen Falcone-Borsellino von Punta Raisi für
Passagiere aus dem Norden zu einem unvergeßlichen Erlebnis: der
Flughafen liegt wie ein riesiges Floß am kobaltblauen Meer vor
den kahlen, in tiefes Rosa getauchten, felsigen Bergen. Das Azurblau
des Himmels und das leuchtende Grün der Landschaft tragen zu diesem
einzigartigen Farbspektakel bei. Im Sommer scheint die trockene
afrikanische Hitze und der häufige Schirokko das Land zu lähmen,
und es ist ratsam sich diesem Klima widerstandslos zu ergeben.
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Den Westen Trinacrias erreicht man per Auto oder
mit dem Bus in Richtung Trapani, dem nordwestlichsten Punkt Siziliens,
auf der Autobahn Palermo-Mazara del Vallo; ein in Rot-, Rosa-
und Weißschattierungen leuchtendes Spalier von Oleanderbüschen
säumt die Autobahn und die vielen alten Viadukte, von denen aus
man das Meer in einiger Entfernung aufblitzen sieht. Manche dieser
Viadukte bieten spektakuläre Aussichten, wie jener, der zum Castello
di Calatubo führt oder jener, von dem aus man den Tempel von Segesta
erkennen kann.
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Der, in die Hügellandschaft eingebettete
Tempel scheint von der Ferne unscheinbar klein wie ein Spielzeug,
das im Gras verloren wurde. In der morgendlichen Sonne leuchtet
er rosa, während er nachmittags von der Sonne ockergelb beschienen
wird. Aus der Nähe gesehen ist der Tempel ein grandioses, antikes
Bauwerk; auf massiven Fundamenten dorische Säulenreihen, auf die
sich die Oberbalken und die beiden Frontgiebel stützen. Auf dem
gegenüberliegenden Felsen befindet sich das halbrunde Theater.
Von den weitläufigen, steilen Treppen aus, bietet sich dem Zuschauer
der griechischen und römischen Vorstellungen, die im Sommer hier
aufgeführt werden, eine atemberaubende Kulisse. Wenige Minuten
von Segesta entfernt in Richtung Landesinnere, befindet sich das
landwirtschaftliche Zentrum Alcamo, überragt vom Berg Bonifato.
Seinen arabischen und mittelalterlichen Ursprung kann man noch
an dem Netz an engen Gässchen im historischen Kern des Ortes erkennen.
Nicht weit davon ist Calatafimi, ein bedeutsamer Ort während der
Herrschaft Garibal dis, während weiter Richtung Meer, man auf
das Küstengebiet der Provinz Trapani stößt mit seiner Hauptstadt
Castellammare del Golfo. Hier ist der Ausbau der touristischen
Einrichtungen aufgrund der Landwirtschaft und Fischerei noch nicht
so rasant vorangeschritten. Vom Aussichtspunkt Belvedere aus hat
man einen Blick über die gesamte Bucht und den kleinen Hafen.
Im Hintergrund ragt das Kastell auf einer Hügelkuppe heraus.
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Ende August findet zu Ehren der
Madonna del Soccorso (Madonna der Immerwährenden Hilfe) eine Schiffsprozession
statt, bei der Tausende von schwimmenden Kerzen in der Bucht verteilt
werden. Im Küstenabschnitt um Scopello mit seinen eindrucksvollen
Klippen und Stränden liegt das 1700 ha große Naturschutzreservat
dello Zingaro, das 1981 zum Schutz der einzigartigen Landschaft
eingerichtet wurde. Weiter entlang der Küste Richtung Trapani
kann man auf Reste der Tonnare stoßen (heute teilweise bereits
gut restauriert), Unterschlupf und Werkstatt für Fischer, Boote
und Geräte, sowie erster Verarbeitungsplatz der Fischfänge, die
im Frühling beginnen.
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Der Fang von Thunfischen,
eine archaische und fast brutal anmutende Arbeit, in Sizilien Mattanza
genannt, deren Methoden, Rhythmen und Gesänge sich Jahrhunderte hindurch
kaum veränderten, wurde bis vor kurzem noch auf traditionelle Weise
durchgeführt. In Scopello befindet sich eine kleine Thunfischfangstation
mit einem mit Blumen bewachsenen Innenhof, während in San Vito Lo
Capo (einem kleinem Fischerdorf, das zwar sein ursprüngliches Aussehen
bewahrt hat, aber bereits touristisch stark erschlossen ist) die Überreste
einer alten Fischfanganlage zu besichtigen sind: la Tonnara del Secco.
La Tonnara di Bonagia dient heute als elegantes Wohnhaus. |
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Eine weitere, sehr große Anlage, die Tonnara Florio, befindet
sich in Favignana auf den Agadischen Inseln. Wer die exotische
Küche schätzt, sollte sich in dieser Gegend den Kuskus nicht entgehen
lassen, der im Gegensatz zu der arabischen Speise in Sizilien
immer mit Fisch in einer Sauce serviert wird: ein Gericht mit
kräftigem, unwiderstehlichem Geschmack. Verläßt man die Küste
mit ihren ganz eigenen Düften und Geschmäckern und erklimmt den
Berg San Giuseppe wird man auf der Bergspitze vom Anblick des
Städtchens Erice überrascht. Eine Panoramastraße führt in weiten
Serpentinen auf über 800 m Höhe: die Temperatur sinkt, die Vegetation
geht in Wald über und nicht selten ist die Spitze des Berges auch
im Sommer in geheimnisvolle Nebelschwaden gehüllt. Erice ist ein
außergewöhnliches Städtchen, dessen mittelalterliche Strukturen
und Atmosphäre fast unversehrt bewahrt blieben: Die Pflastersteingässchen,
Kirchen und Klöster, kleine Palazzi und üppig bepflanzten Innenhöfe,
die den Touristen zumeist verschlossen bleiben, die Ruhe, der
feuchte, saubere Geruch bleiben dem Besucher unvergesslich in
Erinnerung. Die Wurzeln von Erice reichen sogar über das Mittelalter
bis ins XIII. - XII. Jahrhundert v Chr. in die Zeit der Elymer
zurück (die sich auch in Segesta niederließen). Man weiß noch
sehr wenig über die Elymer, die stark von den ersten griechischen
Siedlern beeinflußt wurden und schließlich gänzlich von dieser
Kultur assimiliert wurden. Heute befindet sich - quasi als Brücke
zwischen der Antike und Zukunft mit ihren vielen Unbekannten -
in Erice das Zentrum für Kultur und Wissenschaften "Ettore Majoranen),
eine der weltweit bedeutendsten wissenschaftlichen Institutionen,
die vor allem zu Problemen der nuklearen Abrüstung Stellung nimmt.
Es gäbe noch viele Sehenswürdigkeiten in Erice, aber auch eilige
Besucher sollten sich den typischen Geschmack und die typischen
Farben dieser Stadt nicht entgehen lassen: Die sogenannten Doki
di Badia (eine nach alten, unwiderstehlichen Rezepten zubereitete
Mandelcreme) und die bunten Flickenteppiche.
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Trapani, Hauptstadt der Provinz, scheint auf den ersten Blick
eine Stadt ohne Besonderheit zu sein. Die rechtwinkelig angelegten
Straßenzüge im alten historischen Stadtkern bilden einen Zeitbogen
von der Herrschaft der Araber bis ins späte 18. Jahrhundert.
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Das Zentrum ist klein, gepflegt und bietet gute Einkaufsmöglichkeiten,
ganz besonders in der Via Torrearsa. Durch diese kleinen Gassen
führt eine der schmerzerfülltesten Karfreitagsprozessionen, wie
sie überall in Italien stattfinden, um das Leiden Jesu Christi
nachzuvollziehen. Ununterbrochen, 24 Stunden lang werden 20 zwischen
1600 und 1700 aus Holz geschnitzte, mit Silber verzierte Statuengruppen,
die die Stationen des Leidenswegs Christi repräsentieren, von
Männern auf den Schultern durch die Gassen getragen, in langsamen
Tempo und feierlicher Stille, begleitet von Gebeten der Einheimischen
und von der Trauermusik der Kapellen. Die dunkle Stimmung berührt
auch jene, die mit dieser religiösen Tradition weniger vertraut
sind. Von der schmalen Landzunge, auf der sich Trapani ausdehnt,
hat man einen bezaubernden Blick auf zwei Meere: Nach Norden hin
erstreckt sich das Tyrrhenische Meer bis zum Horizont, wo es mit
dem Himmel zu verschwimmen scheint; das andere Meer, nach Süden
gerichtet, ist durch die Ägadischen Inseln begrenzt und erscheint
dadurch als Lagune, deren Wasseroberfläche zwischen Trapani und
Marsala in der ausgeklügelten Salinenanlage mit ihren Kanälen
und Becken zu ermatten scheint und nicht mehr gekräuselt ist.
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Das Meer wird zum Spiegel des Himmels mit zauberhaften Effekten,
besonders bei Sonnenuntergang. Noch weiter südlich bildet die
Lagune von Tragani den sogenanten Stagnone, einen Meeresarm, schlammig
und seicht, wo sich die Perle der Archäologie befindet: Mo.Zia,
eine kleine, punische Insel, die bis vor kurzem der englischen
Familie Whitaker gehörte, deren Stammherr Joseph als einer der
ersten in diesem Jahrhundert die bedeutenden Ausgrabungen förderte,
die heute, nachdem die Insel in das Hoheitsgebiet von Sizilien
überging, unter der Aufsicht der Archäologischen Behörde von Trapani
stehen.
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Im Südwesten befinden sich Marsala und Mazara del Vallo, zwei
reiche Städte, die das Vorurteil über die Armut und Unterentwicklung
Siziliens widerlegen. Beide Städte besitzen grandiose, historische
Stadtkerne, Palazzi aus dem 16. Jahrhundert, Kirchen und Klöster
in prunkvollem Barock, offenkundige Beweise der wiedererlangten
Herrschaft des Christentums nach der Vertreibung der Araber, die
hier ihre wichtigsten Siedlungen hatten. Marsala mit seinen prämierten
Weinen und den berühmten Weinkellereien, von denen viele bereits
im 18. Jahrhundert von englischen Unternehmern gegründet wurden.
Mazara verdankt der großen Flotte für Hochseefischerei und den
köstlichen Fischen, die auf allen Märkten Italiens angeboten werden,
großen Wohlstand: Tausende von Tunesiern und Marokkanern kommen
hierher (die Immigration wird als die "unglückliche Rückkehr der
Araber nach Sizilen" bezeichnet), um mit der Arbeit auf den Feldern
und Schiffen ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Geschäfte und
Restaurants bieten einen Luxus, der eher für die Einheimischen
als für die Fremden bestimmt zu sein scheint. Ein Abstecher zum
Baglio Anselmi ist in jedem Fall lohnenswert: Hier kann man die
Überreste eines punischen Schiffes aus dem 3. Jahrhundert v Chr.
besichtigen oder zur Piazza Municipio di Mazara schlendern, wobei
man aber das Rathaus tunlichst übersehen sollte, da es ein häßlicher
Neubau ist. Das Belice-Tal, das vom Erdbeben 1968 arg in Mitleidenschaft
gezogen wurde, ist für all jene interessant, die unterschiedliche
Formen des Wiederaufbaus studieren möchten. Partanna, Santa Ninfa,
Salaparuta, Gibellina, Montevago und Santa Margherita, besonders
stark zerstörte Orte, haben jeder einen eigenen Weg für den Wiederaufbau
gesucht. Die jeweiligen Gemeinden haben die individuelle Identität
und den Lebensraum ihrer Orte unabhängig voneinander wieder aufgebaut,
wobei sich Gibellina dabei was die Originalität anbelangt von
allen absetzt: Der Wiederaufbau fand weit weg vom urspünglichen
Ort statt. Berühmte Architekten und Künstler konnten frei von
Vorgaben ihre Gebäude und Kunstwerke entwerfen, während die Reste
des alten Gibellina von dem Künstler Burri als Freiluft - Mega-Skulptur
eingegipst wurde, als ewige Erinnerung an die Tragödie.
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Die Südküste gibt den Blick auf das afrikanische Meer frei, das
eigentlich kein Meer, sondern der Kanal von Sizilien ist, mit
seinen kalten Strömungen, weshalb das Wasser auch im Sommer eisig
kalt ist. Die Strände sind wildromantisch, die Vegetation spärlich
und karg, Schilf und Pinien verbrannt vom Salz des Meeres.
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Der Besuch von Selinunte, einer antiken Stadt, durch deren Straßen
man noch heute schlendern kann, ist ein beeindruckendes Erlebnis.
Vergangene Macht und Reichtum sind auch in den Ruinen noch deutlich
zu erkennen. Sciacca ist ein freundliches Thermalbad, das Touristen
mit einem vielfältigen Angebot verwöhnt: Archäologische Ausgrabungen
(von Spuren aus dem Neolytikum bis zu Funden aus den ersten Jahrhunderten
des Christentums), alte Architektur (Kirchen, Palazzi und Kastelle
vom Mittelalter bis ins Barock), Kunsthandwerk (vor allem Keramik
mit typisch sizilianischem Dekor) bis hin zu dem wilden Karnevalstreiben,
das eines der berühmtesten in ganz Italien ist.
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Unter den vielen sehenswerten Orten und Dörfern, die in dieser
Gegend für den Touristen lohnende Ausflugsziele darstellen, verdient
besonders Eraclea Minoa einen Besuch. Nach dem Besuch der Ruinen
dieser Stadt verlockt das ein bißchen unterhalb liegende Meer
mit seinem kristallklaren Wasser und den weißen, glattgeschliffenen
Klippen zu einer Erfrischung. Der westlichste Ausläufer der Sizilianischen
Berge verliert sich in der sonnigen Weite des Tales der Tempel
von Agrigent und bietet wohl eine der schönsten Kulissen der Welt.
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