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Nebrodi - schon der Namen läßt einem wie durch eine mysteriöse
Macht kühle Schauer über den Rücken laufen, man erahnt die nebelige,
düstere Atmosphäre und denkt an Quellen, unheimliche Geräusche
und Gerüche, die man im Park auch tatsächlich wiederfindet. Der
Park steht im Kontrast zu dem Bild, das Touristen sich vom sonnenverbrannten,
ausgedörrten Sizilien machen. Der Name Nebrodi kommt von dem griechischen
Wort "nebòs", das Hirschkalb. Und tatsächlich gab es in den Nebrodi
Bergen noch bis nicht allzu langer Zeit Hirsche, Rehe, Damwild,
Bären und Wölfe. Heute sind diese Tiere aus der Märchenwelt nicht
mehr zu finden, aber die Anzahl an kleineren Tieren, die sich
verstohlen im Unterholz des Waldes tummeln, ist groß: Marder,
Wiesel, Igel, Siebenschläfer, Füchse, Schlangen, Hasen und Wildkatzen.
Ganz zu schweigen von den Vögeln, über 150 Arten kommen im Park
vor: Milane, Sperber, Wanderfalken, Bussarde, Königsadler und
Geier; in den wasserreicheren Gegenden: Fischreiher, Blässhühner,
Stockenten. Zu den Vögeln kommen noch mehr als 70 Schmetterlingsarten.
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Es ist ein kleines Paradies für Zoologen, Ornithologen
und Naturliebhaber. All jene, die hierher kommen, um neue Kraft
zu schöpfen oder um der Hitze des Sommers zu entkommen, werden
sicherlich durch die Worte inspiriert, die Diodorus Sikulus vor
2000 Jahren geschrieben hat: "Man sagt, diese Berge seien aufgrund
ihrer Schönheit und ihrer Besonderheit ideal für Sommerfrische
und Vergnügen geeignet, da es hier viele Quellen mit ungewöhnlich
weichem Wasser sowie alle Arten von Bäumen gibt. Hier wachsen
enorme Eichen, die besonders große Früchte tragen ... hier wächst
Wein und unglaublich viele Äpfel..."
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Von wie vielen Orte Siziliens
kann man das heute noch behaupten- Nur äußerst wenige haben sich
das Ursprüngliche bewahrt, da der Lauf der Zeit die Landschaft
nicht unberührt läßt, aber hier ist dieses Wunder geschehen. Die
sanften Nebrodi Berge, eingehüllt in üppiges Grün, das je nach
Höhe und Jahreszeit in den verschiedensten Schattierungen leuchtet,
verbindet man mit dem geologischen Phänomen der Fiumare, tiefe
Rillen, die durch die heftigen Regengüsse in die Berghänge gegraben
werden. Die Fiumare werden dem Tal hin immer breiter und bilden
kleine, lehmige Flächen an den Hängen der Berge. Die schmalen
Bächlein, die in den Fiumare fließen, trocknen im Sommer ganz
aus und schwellen in den Wintermonaten zu ungebändigten Wasserläufen
an: "...der Regen, der Bäche rasend werden läßt, in denen Menschen
und Tiere ertrinken, die noch zwei Wochen zuvor vor Durst beinahe
umgekommen wären", so beschreibt Giuseppe Tomasi Lampedusa dieses
Phänomen in seinem Roman, der Gepard. In diesen zwei Zeilen, an
diesen fürchterlichen Gegensätzen kann man seinen Pessimismus
der Natur gegenüber gut erkennen, im besonderen der sizilianischen
Natur gegenüber, die er immer als feindlich und niemals als menschenfreundlich
empfunden hatte. Wir verdanken den Fiumare aber auch ein eindrucksvolles
Landschaftsbild; sei es, daß man sie nur vom Tal aus bewundert
oder daß man ihnen auf den malerischen Serpentinenstraßen folgt.
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Ihre Schönheit ist so groß, daß
die Fiumara in Castel di Tusa, die heute als Fiumara d arte bekannt
ist, von einem eigenwilligen Kunstmäzen als Kulisse für eine Freiluftausstellung
von riesigen Kunstwerken von Gegenwartskünstlern gewählt wurde.
Auch wenn die Besonderheit dieses Teils von Sizilien vorwiegend
in der unberührten Natur des Parks liegt, - der Wald della Tassita,
in dem eine ganz seltene Eibenart wächst, die bis zu 2000 Jahre
alt werden; die Felsen del Crasto, steile Felswände, in denen
verschiedenen Greifvögel nisten; Biviere di Cesarò ein Fluß, dessen
Wasser sich im Sommer rötlich färbt - vermittelt eine Reihe von
reizenden Orten dem Besucher eine größtenteils unverfälschte ländliche
Gebirgskultur, reich an Werten, folkloristischer Tradition, kulinarischen
Spezialitäten und vollendeter Handwerkskunst.
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Fast überall - in Galati Mamertino, Floresta, Capizzi, Militello
Rosmarino, Mistretta, San Marco d'Alunzio - kann man handge machte
Stickereien, Körbe aus Binsen und Weiden in fast jeder erdenklichen
Form und Größe und schmiedeeisene Gegenstände erwerben, während
in Alcara Li Fusi besonders schöne Webstoffe hergestellt werden,
die sogenannten Pizzàri, Matten, Tapeten und bunte Decken. In
San Fratello wird in der Karwoche die Festa dei Giudei (Judenfest)
gefeiert: Hunderte von Männern in den buntesten Kostümen stören
dabei mit Trompeten und Gekreische unentwegt die Osterfeierlichkeiten.
In den umliegenden Wäldern trifft man nicht selten auf eine Herde
von wild lebenden Sanfratellani Pferden, einer aus dieser Region
stammenden, wertvollen Rasse. In höheren Regionen können Ricotta
und andere köstliche Käsesorten verkostet werden, dort wo die
weiten Weiden eine völlig natürliche, fast archaische Form der
Viehzucht noch ermöglichen; die Würste und Salami von S. Angelo
di Brolo haben einen ganz unverwechselbares, rustikales Aroma,
die Süßigkeiten mit Mandeln und Nüssen aber, nach alten Rezepten
zubereitet, sind die Spezialität der Region.
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Das Besondere an der kulinarischen Tradition der Nebrodesischen
Küche liegt in den Zutaten: es werden wild wachsendes Gemüse wie
Chikoree, Fenchel, Senf sowie Spargel, Disteln und alle Arten
von Pilzen verwendet. Diese Zutaten werden auf tausend verschiedene
Arten zubereitet und entweder als Beilage oder als Hauptspeise,
als Suppe, frittiert, oder als Sauce für eine Pasta serviert und
erwecken längst vergessene Aromen wieder zum Leben.
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Die vielen Kastelle und Aussichtstürme an den Berghängen bis
hin zur Küste, die vorwiegend aus der Normannenzeit stammen, Kirchen
und andere Bauwerke geben Zeugnis von einer historisch interessanten
Zeit; besonders erwähnenswert das, unmittelbar nach der Eroberung
Siziliens durch die Normannen errichtete Basilianerkloster San
Filippo di Fragalà mit seiner unbeschreiblichen Atmosphäre und
der dazugehörenden Kirche mit drei Kuppelräumen, in denen man
große byzanthinische Wandfresken fand. Es ist das bedeutendste
Bauwerk in den Nebrodi Bergen, unweit von Frazzanò, abgeschieden
inmitten einer grünen Umgebung auf einem Bergrücken. Der Nebrodi
Park erstreckt sich von den Ausläufern der Berge bis zur Küste
und erreicht mit den, bereits früher erwähnten Fiumare das Meer.
Umgeben von Schilf, das hier wild auf den weißen Kiesund Sandstränden
wächst, fin den wir einige wichtige Küstenorte: Sant'Agata di
Militello, Caronia, Capo d-Orlando, Gioiosa Marea, Patti und Tindari
können
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sich einer lange historischen Vergangenheit mit Denkmälern und
archäologischen Überresten rühmen, die zum Teil erst kürzlich
freigelegt wurden. Santo Stefano di Camastra ist für seine lange
Tradition der Keramikkunst berühmt: in den Straßen zwischen den
Handwerksstätten und Fabriken werden die Keramikwaren für den
Haushalt, charakteristisch für das bäuerliche Leben in früherer
Zeit, unter freiem Himmel zu jeder Tageszeit auf einem farbenfrohen
Markt angeboten: Quartare -Wasserbehälter, Giare - Ölbehälter,
Lemmi - riesige Suppenschüsseln, Krüge und übergroße Teller, auf
denen Tomatenmark in der Sonne getrocknet wird, Pigne große Töpfe,
denen der Volksglaube eine glücksbringende Wirkung zuschrieb und
Lumere di Sant Antonio - Öllampen mit 13 Flammen, Figuren mit
religösen Motiven und echte Bodenfliesen.
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Von den Arabern als "Insel auf der Insel" bezeichnet, unterscheidet
sich die Region der Nebrodi Berge vom übrigen Sizilien durch seine
geologische Gestalt und seine Vegetation und zeigt sich dem Besucher
als ein Gebiet, das durch Rhythmus, Farbe und Harmonie geprägt
ist.
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Die abgerundeten Bergkuppen, sanfte Hänge, Hochebenen, weite
Täler sind das Charakteristikum der Nebrodi Berge. Nähert man
sich den Peloritani Bergen, ändert sich das Landschaftsbild langsam
und wird abwechslungsreicher und schroffer bis zu den spektakulären
Ausformungen des Kalkgesteins. Hier sind die Berge bizarr und
zerklüftet, die Bergwände ragen steil empor, Flüsse und Bäche
haben sich tief in die Felsen der steilen Täler eingegraben. Eindrucksvolle
Beispiele dieser Naturlandschaft sind die Gebirgsbäche Rosmarino,
Favara, Fitalia, Tortorici, Roccella. Einen atemberaubenden Blick
hat man vom felsigen Schutzwall hinter Alcara Li Fusi auf 1315
m, wo sich einst das Reich der Adler und Geier befand. Die Nebrodi-Kette
erstreckt sich über 70 km von Westen nach Osten. Der Park wurde
am 4. August 1993 gegründet und ist der jüngste der 3 Naturparks
in Sizilien. Er ist mit ca. 200.000 Bewohner am dichtesten besiedelt
und mit 85.000 ha der größte der Parks. Er umfaßt 4 verschiedene
Zonen, je nach den Umweltkriterien und möglichen Aktivitäten unterteilt.
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Zone A (26.500 ha), striktes Naturschutzgebiet. Umfaßt alle Buchenwälder,
den seltenen Eibenbestand, die wichtigsten Feuchtgebiete und einige
besondere Felsformationen. Exkusionen, Alpinschi und Langlauf,
Sammeln von Pilzen und anderen Waldfrüchten sind gestattet. Motorfahrzeuge
sind nicht erlaubt, ebensowenig wie das Entfernen von Pflanzen,
Steinen und Fossilien, Müllablagerungen und sportliche Aktivitäten,
die nicht im Einklang mit den Zielen des Parkes stehen.
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Zone B (44.500 ha), allgemeines Naturschutzgebiet, das alle Waldstücke
mit verschiedenen Arten von Eichen umfaßt. Aktivitäten im Rahmen
der Land-, Forst- und Viehwirtschaft sowie jene der Zone A werden
gestattet. Nicht gestattet sind Neubauten und Bauten, die eine
permanente Veränderung des Gebietes bedeuten würden.
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Zone C (500 ha), Schutzgebiet, in dem Aktivitäten zur Erschließung
und Aufwertung des Parkes wie touristische, kulturelle und Sporteinrichtungen
gestattet sind.
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Zone D (13.000) Kontrollgebiet, in dem alle Aktivitäten genehmigt
werden, die mit den Zielsetzungen des Parks im Einklang stehen.
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