Verzauberte Wälder, Hexen, Falken und Falkner, Häschen alla Walt Disney, die hinter Hecken hervorlugen, der Geruch von Ziegen und Ricotta, Prozessionen, Eselskarren, Musikanten und Mädchen, ganz in Silber und Gold gekleidet, Hirten, die Brot und Met anbieten, ein Meer, so kristallklar wie die Karibik, Schipisten und Lifte, barocke, romanische und normannische Kirchen, kleine Dörfer, die wie Krippenfiguren in die Felsen gebettet sind, verlassene Klöster, die vom Duft des Waldes umgeben sind, Pferde und Wölfe, Weidenruten und Spitzenstickerei, und nicht zuletzt Volksfeste, Geschichten und Fabeln, Traditionen, Kunst und Träume... Die Madonie sind ein Ort der Seele und des Herzens, der sich ändert wie ein Kaleidoskop. Ein Ort, der seine Identität jedes Mal neu erfindet in den leuchtendsten Farben, mit den verschiedensten Gefühlen.


Ein Ort, den man in den verschiedenen Jahreszeiten be- und versuchen sollte, um wirklich alle Vergnügen, nicht nur die eines Urlaubs, sondern auch die einer echten Reise auszukosten. Von der goldenen Küste von Cefalù dem Juwel der Normannen - mondän und elegant - überragt von hohen Bergen, bis hin zu "Mollica", der ungewöhnlichen schwarzen Schipiste von Piano Battaglia, und zum Falkenhorst in Geraci Siculo.


Ein ungewöhnliches Sizilien, bei dem man das Klischee der Insel vergißt. Die ein wenig versteckte Kunst, eine Küche voll von Überraschungen, eine unverdorbene Natur mit rauhen Bergen, die bis zum Meer reichen. In den Madonie kann man seine Ferien genau nach Wunsch gestalten, oder aber einen "gemischten" Urlaub machen, als Vorspeisen den Strand genießen, als Hauptspeise den Wald und als Nachspeise Volksfeste und mondänes Leben. Beginnen wir mit den Stränden: Die schönsten findet man zwischen Pollina und Lascari das für seinen guten Rotwein bekannt ist, der direkt von den Winzern verkauft wird. Die vielen handgeschriebenen Schilder mit der Aufschrift "Vino" weisen die Verkaufsstellen aus. Der Strand von Cefalù ist für sein mondänes Leben und die vielen Restaurants bekannt. Im August ist allerdings Mazzaforno zu empfehlen, wobei es noch besser ist, ein Boot zu mieten (im kleinen Hafen von Presidiana) und in der prachtvollen Felsenbucht von Kalura vor Anker zu gehen, die von Überresten eines Aussichtsturmes geprägt ist. Von dort bis nach Sant' Ambrogio kann man schnorcheln, während man außerhalb der Saison im Mai oder Oktober zum -7 Schwimmen am besten den goldenen Strand von Cefalù wählt, der von der Mündung des Baches geprägt ist, der in ein antikes, mittelalterliches Becken fließt. Noch etwas weiter der Küstenstraße entlang stößt man auf Milazzo, bereits in der Provinz von Messina. Auf dieser Strecke findet man viele Buchten, Sandund Kiesstrände und pittoreske Klippen, sowie viele andere Eindrücke, aber auch Gaumenfreuden, wie z.B. die berühmten "Granite", gestoßene Eiscreme, die beste in ganz Italien; unbedingt kosten sollte man die Granite mit Mandel- und Maulbeergeschmack.

Sowohl im Winter wie auch im Sommer ist es faszinierend, einen Tagesausflug mit dem Zug von Cefalù aus zu machen: Die Strecke ist außergewöhnlich beeindruckend, nicht nur da die Geleise fast in den Wellen des Meeres verlaufen.



Die Stationen sind in Castel di Tusa mit der ungewöhnlichen Freiluftausstellung mit Gegenwartskunst, der fiumara d ade, die von einem Privatmann gesponsert wurde und in Capo Calavà mit seinem kilometerlangen weißen Sandstrand.

Die Reise im Zug ist entspannend, man hat Zeit und Muße, sich in die Landschaft zu versenken, ohne auf die Straße achten zu müssen. Züge in Sizilien sind allerdings sehr heiß und fast ausnahmslos ohne Klimaanlage. Daher ist es zu empfehlen, sich wieder Richtung Cefalù in die Kühle der Madonie zu wenden, der beeindruckenden sizilianischen Berglandschaft. Warum wagen Sie den Aufstieg nicht zu Fuß, im Frühling oder im Herbst, nach der alten Tradition der Wanderer des 18. Jahrhunderts, oder zu Pferd, zumal auf der Strecke der Reitstall Vallegrande liegt- Der noch aus der Zeit der Bourbonen stammende Pfad nach Castelbuono (15 km vom Meer auf 400 m u.d.M.) ist eine pittoreske Strecke: Die Straße nach Ferla hinter Presidiana führt durch Olivenhaine und Weingärten am Fluß Carbone vorbei und durch das Tal von Zurrica; wir empfehlen einen Zwischenstopp in Sant Anastasia einzulegen, um einen Schluck des Weines zu kosten, der seit einigen Jahren auf höchstem Niveau gehandelt wird, bevor man Castelbuono erreicht, das vom Felsen, auf dem sich das Kastell der Familie Ventimiglia erhebt, überragt wird. Eine Zwischenbemerkung sei uns hier gestattet: Die Sizilianer waren zum größten Teil ein Bergvolk. In einem Land, wo alle Eroberer vom Meer her in das Land eindrangen, von den Phöniziern angefangen bis zu Garibaldi, wurden die Dörfer und Städte zum Schutz und zur Überwachung der landwirtschaftlichen Kulturen bevorzugt auf Anhöhen gebaut. In den Madonie gibt es viele antike Orte und für das Bergleben typische Traditionen, die für Italien, "das Land der Sonne und des Meeres", ganz ungewöhnlich sind.


Castelbuono, das antike Ypsigro, wurde von den Byzantinern gegründet und verdankt seine Grandezza der Adelsfamilie Ventimiglia, einem mächtigen Grafengeschlecht mit normannischem Ursprung.


Unter ihnen wurde Castelbuono zur Hauptstadt der Grafschaft. Seine Schönheit "durchdringt die Seele", sagte Houel im 18. Jahrhundert. Genauso oft druchdringt sie allerdings auch den Körper, da nach der Besichtigung aller Kunstwerke, wie der Kirche Matrice, es unabdingbar ist, die köstliche Küche dieses Ortes zu testen: Pilze, wilder Spargel oder hausgemachte Pasta, Ferkel und ganz besonders Ziegen- und Lammfleisch, zubereitet nach tausend Rezepten. Die Speisen werden an historischen Orten aufgetischt: Das antike Benediktinerkloster, in dem sich das Restaurant Romitaggio befindet, oder die alte Ölpresse, in der sich das Restaurant Il Vecchio Palmento versteckt. Von Castelbuono aus, wo im August ein Fest in alten Kostümen der Grafschaft gefeiert wird, ist es unumgänglich weiter nach Piano Battaglia zu fahren, dem Schizentrum im westlichen Sizfen: Es gibt 3 Pisten jedes Schwierigkeitsgrades, günstige Preise und zumindest im Februar eine sichere Schneelage. Unterkunft und Verköstigung werden von einer Schutzhütte der Cai und einer des sizilianischen Alpenvereins (Club Alpino Sicihano) angeboten, wobei letzterer zu empfehlen ist. Von hier aus kann man zwei Abstecher mit kulturell-gastronomischem Hintergedanken machen: zwischen Piano Battaglia und Piano Sempria halten sich im Sommer die Hirten auf, die wegen der saftigen Weiden und guten Luft von den Tälern in die Berge kommen. Sie freuen sich über einen kurzen Tratsch und verkaufen gerne ein bißchen frische Ricotta und Käse. Falls der freundliche Reisende auch dem Wein seine Reverenz erweist, werden die Hirten ihm ihr Herz gänzlich öffnen und die erstaunlichsten Geschichten über ihre Heimat und ihre Ansicht bezüglich der Aufrechterhaltung der Traditionen zum besten geben.


Wenn Sie sich jedoch nicht im Sommer auf den Anhöhen dieser Region aufhalten, versuchen Sie die Hirten tiefer unten im Tal auf den Bauernhöfen anzutreffen, die auf den Hochebenen zwischen Gratteri und Gibilmanna zahlreich sind. Der zweite Abstecher hat nur einen einzigen Grund: die Freude am guten Essen. Man kann die Madonie nicht verlassen, ohne die berühmte Käsetorte versucht zu haben, "lo sfoglio" gibt es nur in Polizzi Generosa (Richtung Piano Battaglia nimmt man die Abzweigung nach Portella Colla). Es handelt sich dabei um eine im Rohr gebackene Mürbteignachspeise gefüllt mit Zimt, Schokolade und Honig. Eine unaussprechlich köstliche und einzigartige Delikatesse, die lauwarm gegessen, jedes Herz höher schlagen läßt. So oppulent die Torte, so leicht und fein schmecken die Pilze, die man im gesamten Waldgebiet der Madonie findet. Allerdings sind sie ohne Hilfe schwer zu finden, hier sind zwei Tips: Sucht man die würzig duftenden und teuren Herrenpilze, sollte man zur Abzweigung von Portella Colla zurückkehren und den Weg rechts von der Abzweigung nach Polizzi einschlagen. Wenn man Glück hat, findet man auf dem mehrere Stunden langen Spaziergang zwischen Quellen und kleinen Seen einen ganzen Korb mit Herrenpilzen. Kenner suchen auch im Wald von Vicaretto hinter Piano Battaglia nach Pilzen.


Wenn nicht gerade Pilzzeit ist, Sie aber gerne Leckerbissen sammeln, sollten Sie es mit wildem Spargel versuchen. Sie wachsen unter charakteristischen dunkelgrünen Büschen in Gratteri, einem pittoresken Ort hoch auf einem Felsen über Mazzaforno. Sie erreichen Gratteri über die, von Vicaretto aus führende Panoramastraße. Zu Silvester, genau um Mitternacht, reitet die "Alte" in Lumpen gekleidete Hexe auf einem geschmückten Maultier bis zum Morgengrauen durch die Straßen, gefolgt von den Einheimischen und wenigen Touristen. Außerhalb des Ortes beginnt ein Wanderweg nach San Giorgio. Er führt durch Schluchten und unter steile Felsvorsprünge, vorbei an Stallungen und fast verwilderten Pferden, entlang eines Baches, der zu einem Fluß anschwillt. Der Weg endet in einem kleinen Tal, wo sich plötzlich, wie im Traum, in einer Lichtung das Kloster von San Giorgio in der ganzen Pracht seiner antiken Steinmauern erhebt. San Giorgio ist umgeben von einem Wald, in dem sowohl Spargel als auch Pilze wachsen. Die beste Zeit, die Madonie zu erleben, ist in der Nebensaison, im Frühling oder im Herbst; in der Osterwoche wird in Isnello am Karfreitag eine Prozession abgehalten, die ihresgleichen sucht, während man im Oktober von Petralia Soprana und Petralia Sottana aus, zwei Barockjuwele in verwunschener Landschaft mit prachtvollen Kirchen entweder zu Fuß oder mit dem Jeep des Parkes zur Madonna dell'Alto pilgert, zu einem alten Kloster, das auf der Spitze eines Felsen thront und das Reich der Zwerge, Fabeln und Pilze ist. Zu guter Letzt noch zwei Tipps für den August, wenn man das Meer und die Strände besser meidet: die Sagra della Spiga, ein uraltes Fest mit heidnischem Ursprung, das der Göttin Ceres gewidmet ist, die jeden ersten Sonntag im August eigentümliche Karren ohne Räder, die so genannten Straule nach Gangi bringt. Ebenso wenig sollte man den Besuch in Gangi Vecchio, dem antiken Gangi, versäumen, das heute für seine Gastronomie berühmt ist und die Cravaccata, die nur alle 7 Jahre einmal in Geraci Siculo abgehalten wird und wo der Hirten gedacht wird, die mit Käse und ihren Tieren, Kühen, Schafen, und Ziegen hinunter ins Tal kamen. All dies sind kleine Erinnerungsstücke an eine vergangene Zeit, die man sich nicht entgehen lassen sollte, bevor sie gänzlich vergessen sind.


DER PARK:
 

Die Madonie, die von den zwei Tälern der Flüsse Pollina und Imera Settentrionale begrenzt werden, sind die geologisch ältesten Erhebungen Siziliens (sieht man von einigen Bergspitzen der Monti Peloritani ab). Im Kalkgestein der Bergkette finden sich zahlreiche Muschel-, Algen- und Schwammfossilien. Die höchsten und charakteristischten Bergspitzen heißen Carbonara (1997 m), San Salvatore (1912 m), Ferro (1906 m) und der Monte dei Cervi (1656 m). Obwohl sie zur selben Bergkette zählen, hat jede dieser Berg sein ganz charakteristisches Aussehen. Runde Kuppen, kantige Spitzen, üppig bewachsen oder karg, ragen sie majestätisch aus der Landschaft und bilden Täler, Ebenen, Hochebenen, Klippen und sanfte Hügel. Von den Gipfel hat man eine grandiose Aussicht auf den Ätna, die Nebrodi Berge und die Äolischen Inseln, die von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang in die spektakulärsten Farben getaucht werden und fast unwirklich wirken. Die Berge der Madonie sind aber nicht nur landschaftlich unvergesslich. In dem Gebiet befinden sich zahlreiche religiöse Bauten, wie Klöster, Einsiedeleien und Kirchen, die oft auf den Bergspitzen vollkommen abgeschieden, aus Naturstein erbaut wurden. Die vergessenen Mühlen an malerischen Flußläufen und alten Bauernhöfen, häufig auf den Resten von viel älteren romanischen Höfen errichtet, beweisen, daß Kultur in Einklang mit der Natur bestehen kann. Der Naturpark der Madonie ist 1989 gegründet worden und erstreckt sich auf fast 40.000 ha. Er umfaßt 4 Zonen, in denen bestimmte Umweltkriterien erfüllt werden müssen.

Zone A (5.733 ha), striktes Naturschutzgebiet, in dem das Biotop in seiner Gesamtheit geschützt wird. Die Ecosysteme sind sowohl von großem biologischem als auch von landschaftlichem Interesse.


Zone B (16.535), Naturpark, in dem der Bau neuer Gebäude, die Erweiterung bestehender Gebäude und Landschaftsveränderungen verboten sind. Land- und Forstwirtschaft, Weidetätigkeit sowie der Bau der nötigen Infrastruktur, wie Zufahrtsstraßen, Verbesserungen und Wiederaufbau der natürlichen Umgebung werden unter gewissen Bedingungen von der Parkbehörde genehmigt.


Zone C (427 ha), geschütztes Gebiet, in der Bauten, bauliche Veränderungen und Landschaftveränderungen nur dann genehmigt werden, wenn sie mit den Zielsetzungen des Parkes in Einklang stehen (touristische und kulturelle Strukturen sowie Parkmöglichkeiten).


Zone D (16.984 ha) Kontrollgebiet, in dem alle Aktivitäten genehmigt werden, die mit den Zielsetzungen des Parkes im Einklang stehen. Im Madonie Naturpark liegen die Gemeinden: Caltavuturo, Castelbuono, Castellana Sicula, Cefalù, Collesano, Geraci Siculo, Isnello, Petralia Soprana und Sottana, Polizzi Generosa, Pollina, San Mauro Castelverde, Scillato und Sclafani Bagni.