|
|
Der Ätna ist ein feuer speiender Riese, mit schwarzem Lavagestein,
weißem Schnee auf dem Gipfel und grünen bewaldeten Hängen. Sein
Name stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "anzünden".
Der Sage nach schmiedete der Feuergott, Hephaistos, mit Hilfe
der Zyklopen Blitze und Waffen für Zeus im glühenden Inneren des
Ätna. Unter dem Ätna waren auch die beiden rebellischen Titanen
Tifeus und Enceladus gefangen gehalten. Als sie versuchten das
enorme Gewicht des Berges abzuschütteln, um ihre Freiheit wieder
zu erlangen, zitterte die Erde und traten Lava und glühende Gesteinsbrocken
aus 200 Kratern des Berges. Der Ätna wird auch Mongibello genannt
(aus dem Lateinischen Mons und aus dem Arabischen Gibel, was so
viel wie Echter Berg bedeutet) und auch wenn es noch einen anderen
geheimen und unaussprechlichen Namen für den Vulkan gäbe, ist
und bleibt der Ätna doch für alle Einheimischen La Montagna -
der Berg.
|
|
Tatsächlich ist der Ätna ein riesiger und isolierter
Berg, begrenzt von den Flüssen Alcatara und Simoneto, mit seinen
3.300 m Höhe beherrscht er halb Sizilien und ist ein majestätischer,
grandioser Anblick. "Ein irdisches Paradies, das hier und dort
von Höllengegenden unterbrochen wird", meint Edmonodo De Amicis,
einer der vielen Schriftsteller und Dichter, die bereits seit
der Anike die geheimnisvolle Faszination dieses Vulkans beschrieben
haben. Ganz charakteristisch für die Region um den Ätna ist die
abwechslungsreiche Landschaft und die Vielfalt der Vegetation,
je nach Höhe und Lage.
|
|
Das innerste Wesen des Vulkans
liegt in dieser Vielfalt. Die ständigen Ausbrüche und verschiedenen
Lavaströme, die sich im Laufe der Jahrhunderte übereinander gelagerten,
haben dazu geführt, daß sich die Pflanzenwelt ständig anpassen
mußte, und haben damit ein endgültiges, andauerndes Aussehen unmöglich
gemacht. Am Fuß des Vulkans mußte die ursprüngliche, karge Vegetation
(typisch für diese Zone ist der wilde Fenchel, Crithmum maritimum)
schon von je her der Landwirtschaft, vorwiegend Zitrusplantagen
weichen. Zwischen Hecken von Kakteen und enormen Agaven erstrecken
sich die berühmten "Orangen- und Zitronengärten" von der Ebene
von Catania bis hinauf zu den ersten Ausläufern des Vulkans, dort
wo die verwitterte Lavaerde am fruchtbarsten ist. Ein wenig höher
beginnen sich die Kulturen zu ändern: Olivenhaine und Weinberge
erstrecken sich auf den sanften, sonnenbeschienenen Hügeln in
der sommerlichen Brise und bringen reichliche Ernte, ebenso wie
hier für Mandeln, Haselnüsse und Pistazien (aus Bronte kommen
die besten) ideale Bedingungen herrchen. Auf dem ganzen Berg findet
man bis auf 1000 m die gelben Farbtupfen des Ginster. Diese Pflanze
wird auch als Verbündete der menschlichen Mühen bezeichnet, wie
Leonardo Sciascia sagt: "Der Ginster bahnt sich seinen Weg durch
das Lavagestein des Atna wie ein Versprechen und nicht wie eine
Mahnung. Er wächst, um als erster die harte Lavakruste zu zersetzen
und leistet so Vorarbeit für Pickel und Hacke, für die zähe, ausdauernde
Arbeit, zur Kultivierung." Je höher man aufsteigt, ab 1000 m Höhe
wird die Landschaft immer bewaldeter: Eichen, Steineichen und
Edelkastanien wechseln mit Lärchen ab (bezaubernd der Nadelwald
von Linguaglossa), um noch etwas höher, ab 1500 m ü.d.M. Buchen
und Birken die Weite des Berges zu überlassen. Noch höher wächst
nur noch karges Buschwerk, einzelne Wacholderbüsche und Farne,
während noch weiter oben, im Reich des Feuers keine Vegetation
mehr überlebt, sondern man im weiten Umkreis nur noch bleierne
Erde und Asche findet.
|
Ein Aufstieg zur Spitze, zu den
ständig aktiven Hauptkratern ist zwar nur aus vulkanologischen
Gründen von Interesse, kann aber zu einem unvergesslichen Erlebnis
werden. Der beste Weg, den Ätna kennenzulernen, mit all seinen
naturwissenschaftlichen, landschaftlichen und antroplogisch-kulturellen
Aspekten, ist es, die vielen an den Hängen des Berges liegenden
Orte zu besichtigen. Bei jeder Etappe wird man ein anderes Gesicht
des Berges kennenlernen
|
|
|
Von Catania ausgehend kann man auf der Straße, die um den Berg
führt, gegen den Uhrzeigersinn Richtung Trecastagni fahren, das
von den Rossi Bergen überragt wird und gelangt dann zu den, auf
niedriger Höhe liegenden Krater, die beim Ausbruch 1669 entstanden.
Auf derselben Straße liegt auch Zafferana Etnea, von wo aus sich
dem Reisenden ein atemberaubender Panoramablick über die Umgebung
bietet. Im Park von Zafferana Etnea werden während der Sommermonate
unter lybischen Zedern, Magnolien und Jahrhunderte alten Eichen
zahlreiche kulturelle Veranstaltungen abgehalten. Darüber hinaus
kann man im Park eine Vielzahl an verschiedenen Kamehenarten bewundern.
Setzt man die Fahrt um den Vulkan fort, erreicht man Linguaglossa.
Der seltsame Ortsname bezieht sich entweder auf eine große Lavazunge
(Lingua), die beim Ausbruch 1634 ausgetreten ist, oder nach Meinung
anderer ist der Name eine Zusammensetzung des lateinischen Wortes
Lingua und des griechischen Wortes Glossa mit derselben Bedeutung
und bezieht sich auf eine Landzunge, auf der sich die Ortschaft
erhebt. Was auch immer der Ursprung des Namens sei, ist es doch
Tatsache, daß Linguaglossa ein entzückendes Örtchen mit einem
höchst interessanten Museum ist, in dem die völkerkundlichen und
naturwissenschaftlichen Aspekte des Atna auf einzigartige Weise
dokumentiert werden. In der Nähe des Wäldchens befindet sich auch
die Grotta del Gelo, in der aufgrund von Luftströmen eine Temperatur
permanent unter 0 C herrscht und sich unglaubliche Eiszapfen bilden
können. Das Dorf Randazzo ist nur 15 km vom Krater des Vulkans
entfernt. Ganz im Gegensatz zu all den anderen Orten, die in den
vorangegangenen Jahrhunderten von den Lavamassen zerstört wurden,
ist Randazzo immer heil davon gekommen und konnte so sein reizendes
historisches Zentrum bewahren, das sich auf einem prähistorischen
Lavafeld erhebt und ganz aus schwarzem Stein erbaut ist. Randazzo
wurde von drei unterschiedlichen Kulturen bewohnt, die bis ins
16. Jahrhundert ihre eigenständigen Dialekte sprachen: griechisch,
lateinisch und lombardisch. Sie lebten in drei voneinander getrennten
Stadtteilen und hatten jeweils eine eigene Kathedrale: S. Maria,
aus der normannischen Hohenstaufer-Zeit, S. Martino und S. Nicolò.
|
|
|
Setzt man seine Rundreise an den Hügeln des Vulkans fort, erreicht
man Bronte, das 1860 Schauplatz eines blutigen Volksaufstandes
war, der von Garibaldi brutal niedergeschlagen wurde. Der Bourbone
Ferdinand III hatte Admiral Nelson Bronte und das gesamte Umland
gemeinsam mit dem Fürstentitel als Dank für die geleistete Unterstützung
bei der Niederwerfung der napoleonischen Unruhen im Jahre 1799
geschenkt. Auf dem Gebiet befand sich auch die nahegelegene Abtei
S. Maria di Manice, ein 1173 von Königin Margherita, Mutter von
Wilhelm II, gestiftetes Kloster, das später in einen Aufenthaltsort
für Adelige umgewandelt wurde.
|
|
Setzt man seine Rundreise an den Hügeln des Vulkans fort, erreicht
man Bronte, das 1860 Schauplatz eines blutigen Volksaufstandes
war, der von Garibaldi brutal niedergeschlagen wurde. Der Bourbone
Ferdinand III hatte Admiral Nelson Bronte und das gesamte Umland
gemeinsam mit dem Fürstentitel als Dank für die geleistete Unterstützung
bei der Niederwerfung der napoleonischen Unruhen im Jahre 1799
geschenkt. Auf dem Gebiet befand sich auch die nahegelegene Abtei
S. Maria di Manice, ein 1173 von Königin Margherita, Mutter von
Wilhelm II, gestiftetes Kloster, das später in einen Aufenthaltsort
für Adelige umgewandelt wurde.Lohnenswert ist auch ein Ausflug
zu zwei botanischen Kuriositäten, die sich auf der dem ionischen
Meer zugewandten Seite befinden: in der Nähe des Dorfes Sant'Alfio
ragt der Kastanienbaum der hundert Pferde, Castagno dei cento
Cavalli, empor, der wohl einer der ältesten Bäume auf der Welt
ist. Die Legende besagt, daß die Königin Johanna von Anjou unter
diesem enormen Baum mit samt ihres Gefolges von 100 Pferden Schutz
gefunden hatte. In der Umgebung von Milo befindet sich die L'Ilice
di Contrada Carrinu: der Umfang dieser Eiche (ilex quercus ist
der lateinische Name für Eiche) beträgt 10 Meter. An der Küste,
dort wo der Berg sich ins Wasser zu stürzen scheint, lebt noch
die leidenschaftliche Sage des Hirtenknaben Acis, der von Polifem
wegen seiner Liebe zur Nymphe Galata ermordet wurde. Viele der
Orstnamen erinnern noch heute an diese tragische Geschichte, die
von Vergil, Ovid und Petrarca besungen worden war:
|
|
Acireale ist das wichtigste Zentrum. Es wurde 1693 nach dem Erdbeben
wieder neu aufgebaut und ist ein eindrucksvolles Beispiel des
sizilianischen Barock. Ebenso bekannt ist es für sein buntes Faschingstreiben
mit allegorischen Karren und für sein Eis, überschäumende Fantasie
in Formen und Farben, veredelt durch Tradition und Qualität. Aci
Trezza ist das Fischerdörfchen, in dem der Roman 1 Malavoglia
von Verga spielt. Der Küste vorgelagert liegen die Zyklopen-Inseln,
die in der Sage nichts anderes sind als Felsbrocken, die der von
Odysseus geblendete Poliphem den flüchtenden griechischen Schiffen
ins Meer nachschleuderte. Aci Trezza war Geburtsstadt von Procopio
de' Coltelli, der im 17. Jahrhundert sizilianisches Eis erfand,
das mit Schnee vom Ätna gemacht wurde. Er zog nach Paris und eröffnete
dort das von vielen Intellektuellen besuchte Kaffeebaus Procope,
das von Literaturnobelpreisträger Anatole France zitiert wurde.
In Aci Castello, das sich auf einem pittoreksen Felsen aus Lavabasalt
erhebt, befindet sich ein normannisches Kastell, das komplett
aus Lavagestein errichtet wurde. In der Umgebung gibt es noch
viele Orte, deren Namen sich auf bedarf nicht viel Phantasie,
um sich in eine Höllenlandschaft zu versetzen."
|
|
|
Acis beziehen: Aci Bonaccorsi, Aci Catena,
Aci Sant'Antonio, u.v.rn. An Auch heute kann der Besucher diese Vorstellung
noch nachvollziehen. Man der ionischen Küste auf halben Weg zwischen
Giarre und Calatabiano kann dem Fluß entlang 150 m durch die Schlucht
hinaufklettern. ragen in S. Marco und in Fiumefreddo eindrucksvolle
Kastelle in die Land- Zurück an der ionischen Küste gelangen wir nach
Taormina, einem Juwel, schaft, die ein lohnendes Ausflugsziel darstellen.
Fährt man Richtung Messi- das wegen seiner malerischen Lage, wegen
der archäologischen Ausgrabun |
|
na, erreicht man Giardini Naxos, die älteste griechische Kolonie
in Sizilien. gen, wegen der prachtvollen Kunstwerke und Kultur,
für seine Strände, für Ist man schon einmal bis hierher vorgedrungen,
sollte man es auch nicht sein Klima und verabsäumen, die Schlucht
von Alcantara, Gole dell Alcantara auf der Straße für die Freund
nach Francavilla di Sicilia zu besichtigen. lichkeit seiner Federico
De Roberto hat sie 1909 folgendermaßen beschrieben: "Die engste,
Bewohner in tiefste, gekrümmteste Schlucht aus Basaltprismen (
) zwischen den steilen, aller Welt dunklen Wänden läuft das bläulich
gefärbte Wasser ruhig und langsam und es berühmt ist.
|
|
|
|
|
Charakteristischer Bestandteil des Ätna-Naturparks ist der Ätna,
der größte noch regelmäßig aktive Vulkan Europas. Die Notwendigkeit,
dieses einzigartige Naturgebiet und sein Umland zu schützen, führte
im März 1987 zur Einrichtung des Naturparks - der erste seiner
Art auf Sizilien. Der Ätna befindet sich ganz in der Nähe der
ionischen Küste Siziliens, und seine ersten Eruptionen füllten
vor 500.000 Jahren den durch die Peloritaniund lblei-Berge begrenzten
ehemaligen Meeresgolf auf und bildeten so die Ebene von Catania
und das Schwemmland des Flusses Simeto. Das Gebiet am Fuße des
Ätna hat eine Ausdehnung von etwa 1.260 Km square der Vulkan selbst
erreicht eine Höhe von ca. 3.350 m, die jedoch je nach Ausbruchsaktivität
variiert; die Eruptionen sind nämlich nicht immer "konstruktiver",
sondern oft auch "destruktiver" Art, d.h. mit Einbrüchen und Senkungen
der Kraterwände verbunden. Der Ätna ist ein hauptsächlich effusiver
Vulkan, d.h. seine Ausbrüche sind relativ ruhig mit Auswürfen
von flüssiger Lava und schwachen Explosionen, die auf das Gebiet
um den Eruptionskrater herum beschrankt sind, aus dem spektakuläre,
aber unschädliche Lavaströme hochschießen. Die Schönheit des Naturparks
besteht jedoch nicht nur in dem grandiosen Schauspiel der Vulkanausbrüche
und den rotglühenden Lavaströmen. Um den Vulkan herum erstreckt
sich ein einzigartiges Naturgebiet, das in den unteren Höhenlagen
durch Weinfelder, Nussbaumhaine, Eichenwälder, Kastanienbestände
etc. gekennzeichnet ist. Auf den älteren Lavaströmen haben sich
Buchen und Birken sowie herrliche Exemplare der Lärchenpinie angesiedelt.
Die außerordentliche Üppigkeit der Vegetation ist der ungewöhnlichen
Fruchtbarkeit der Vulkanerde zu verdanken. Das Gebiet des Ätna
Parkes erstreckt sich auf 59.000 ha, vom Gipfel des Vukans bis
zum oberen Dorfgürtel, und ist in 4 Zonen unterteilt, die sich
je nach den Schutzkriterien voneinander unterscheiden.
|
|
Zone A (19.000 ha), striktes Schutzgebiet, in dem es keine Siedlungen
gibt. Es umfaßt ein weites, unberührtes Gebiet, das Reich der
großen Raubvögel, wie des Königsadlers.
|
 |
|
Zone B (26.000 ha), generelles Schutzgebiet, in dem sich kleine
private landwirtschaftliche Grundstücke befinden und das von wunderschönen
antiken Bauernhäusern, primitiven Unterständen für die Tiere,
Mühlen und würdevollen Herrenhäusern geprägt wird. Schon in der
Antike war dieses Gebiet besiedelt.
|
|
Zone C und D (14.000 ha), werden als Vor-Park-Gebiet erachtet,
in denen die Errichtung touristischer Strukturen im Einklang mit
den Zielen des Parkes und der Natur gestattet ist.
|
|
Der Ätna-Park umfaßt die Gemeinden Adrano, Belpasso, Biancavilla,
Bronte, Castiglione, Giarre, Linguaglossa Maletto Mascali, Milo,
Nicolosi Pedara, Piedimonte Etneo, Ragalna, Randazzo, S. Alfio,
Santa Maria di Licodia, Trecastagni, Viagrande und Zafferana.
|
|